Kommentar: Martin Luther wäre heute Blogger

Für mich steht fest: Martin Luther wäre heute ein Hardcore-Blogger. Nach 500 Jahren Reformation wurde dieses Jahr das Leben und Wirken von Martin Luther gefeiert. Seine Ideen und Thesen haben zur Kirchenspaltung geführt und eine Massenbewegung ausgelöst. Luther hatte entdeckt, dass er neben dem gesprochenen Wort von der Kanzel noch eine größere Waffe beherrscht: das gedruckte Wort.

Martin Luther (Bild: Matthias J. Lange)
Martin Luther (Bild: Matthias J. Lange)

Der Mönch Luther als Kommunikator setzte neben seinen Predigten auf die revolutionäre Erfindung seiner Zeit: den Buchdruck.

Natürlich druckte Martin Luther zunächst keine Bücher, sondern ein- und mehrseitige Pamphlete mit der heimischen Druckerpresse. Diese Druckwerke wurden zum Teil verkauft, zum Teil verschenkt und weitergeben. So verbreiteten sich die Ideen von Martin Luther in den deutschen Landen und endeten in einer Bewegung, die die Kirche gespalten hat. Luther nutzte die Gunst der Stunde, um viele Menschen von seinen Ideen zu begeistern, zu überzeugen, um darüber zu diskutieren und er nutzte konsequent das modernste Kommunikationsmittel seiner Zeit.

Heute wäre Martin Luther ein Blogger. Er hätte eine durchdachte, digitale Strategie. Er würde seine Ideen in Blogs veröffentlichen und sie via soziale Netzwerke verbreiten. Zeitungen und Zeitschriften als etablierte Massenmedien würden zunächst keine Notiz von Luthers Gedanken nehmen, ihn als Verschwörungstheoretiker in eine Ecke stellen.

Aber der Martin wäre anders drauf und würde die Kommunikation seiner Zeit nutzen. Ich denke, Luther würde konsequent Facebook und Youtube befeuern, für eine schnelle Idee natürlich Twitter, vielleicht mit dem Accountnamen @therealMartinLuther. Für die Verbreitung seiner Ideen sorgen seine Follower, denn #RT und Teilen wären Bestandteil seiner Kommunikation.

Er würde via Facebook Live und Periscope live auf Sendung gehen und mit dem Volk diskutieren. Natürlich wären seine Sendungen keine Podcast von eineinhalb Stunden, sondern sein Credo wäre: „Tritt fest auf, mach’s Maul auf, hör bald auf.“ Sein Anschlag seiner 95 Thesen würde heute vielleicht Manifest heißen und einen ähnlichen Hype auslösen. Die Kirchentür zu Wittenberg wäre der Ort des Happenings, wenn ein starkes WLAN verfügbar wäre und von dort würde seine Botschaft live übertragen werden.

Luther als Selfieposer in Instagram wäre sicherlich gewöhnungsbedürftig, aber es gibt nichts, was es nicht gibt. Wahrscheinlich würde er seine 95 Thesen in 95 einzelne Post aufteilen – nach dem Motto Modularisieren. Ob die Texte für Google SEO-optimiert sind, sei dahingestellt. Ob Luther Snapchat nutzen würde, glaube ich eher nicht, denn seine Botschaft soll ja bleiben und sich nicht in kurzer Zeit in Luft auflösen.

Also: Martin Luther wäre für mich heute Blogger und wenn er sich an den Bloggerkodex hält, wäre er bei uns im Bloggerclub herzlich willkommen.

Matthias J. Lange

Matthias J. Lange

Matthias J. Lange (Jahrgang 1968) ist Blogger und Journalist bei redaktion42. Nach freier Mitarbeit, Volontariat und Redakteurstätigkeit beim Münchner Merkur FFB, München und Bonn wechselte er als Pressereferent zur Handwerkskammer für München und Oberbayern und war anschließend als Textchef bei PC Professionell und als Textchef von redtec publishing tätig. Dort war er auch Chefredakteur der 3D-Zeitschrift Creative Live und der MACup, der einst ältesten Mac-Zeitschrift Europas. Anschließend war er bei Reed Business Information Chefredakteur des Fachmagazins DIGITAL PRODUCTION und Projektleiter des animago AWARD.

Er betreibt seit Juni 2008 seinen Blog redaktion42.com. Neben zahlreichen PR-Tätigkeiten und Buchveröffentlichungen ist Lange Lehrbeauftragter an verschiedenen Stiftungen, Hochschulen und Universitäten sowie Dozent für die bayerische Ministerialverwaltung. Zudem ist er seit 2010 mit seinen Tagen der Medienkompetenz an Schulen im Freistaat und in Deutschland unterwegs.

Matthias J. Lange ist Vorsitzender des Bloggerclub e.V.

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