Bloggerclub Veranstaltung: Instagram für Blogger – was bringt das?

Autor: Markus Pflugbeil

Bringt das was, Instagram für Blogger – diese Frage schwebte im Raum, während Gerhard Bauer, Blogger des Isarblog und Mitglied des Bloggerclubs, sein Wissen und seine Erfahrungen mit der Foto-, Film- und Storytelling-Plattform teilte. Über 20 Mitglieder des Bloggerclubs und Interessierte folgten seinen Ausführungen in den Räumen des Münchner Presseclubs (Mitglieder können den Vortrag auf Vimeo nachsehen). Das Fazit von Gerhard Bauer, der gemeinsam mit seiner Partnerin Monika Schreiner, den Isarblog betreibt, vorweggenommen: Instagram dient der Außendarstellung eines Blogs, auch wenn der direkte Traffic von Instagram zum Blog und Posts nahezu unmessbar ist.

Zu Beginn stellte Gerhard dar, wie sich die Plattform im Lauf der Zeit, seit ihrer Gründung und mit ihrer Übernahme durch Facebook veränderte: Zunächst als Plattform für quadratische, Filter-optimierte Handy-Fotos, die in Echtzeit veröffentlicht wurden, gestartet, ist sie heute für viele ein Selbstdarstellungsportal mit inszenierten Fotos, dessen Timelime von einem geheimen Algorithmus à la Facebook bestimmt wird. Auch wenn die Isarblogger auf hochwertige Fotos schwören, so sind sie doch dem quadratischen Format treu geblieben.

Instagram: Vom Quadrat zum 60-Minuten-Video im Hochformat

Im zweiten Teil zeigte Gerhard die vielen Möglichkeiten, die Instagram heute bietet, sich (oder seinen Blog) zu inszenieren. Dabei fiel auf, dass wir über Filter gar nicht mehr sprachen – zu üblich sind qualitativ hochwertige Fotos, viele davon mit guten Spiegelreflex- oder Systemkameras aufgenommen, die keine Filter mehr nötig haben. Einen großen Teil nimmt mittlerweile auch die Story-Funktion ein, die 15-sekündige Live-Snips aneinanderreiht, die nach 24 Stunden automatisch gelöscht werden. Mit diesem Feature gelingt es dem Facebook-Konzern auch, dem Newcomer Snapchat massive Konkurrenz zu machen. Um gegen YouTube von Google zu punkten, erweitert Instagram zudem sein Video-Funktion: mittlerweile könne 60-minütige Filme veröffentlicht werden. Das Alleinstellungsmerkmal Hochformat-Video von Instagram sei allerdings auch größter Nachteil, so Gerhard. Im Querformat produziertes Videomaterial sei damit unbrauchbar und viele Amateure und Semi-Professionelle Instagramer scheuten den Aufwand, speziell für die Plattform neues Material aufzunehmen; die Akzeptanz von Instagram-Video sei entsprechend gering.

Hashtags und Location-Angaben sorgen für Reichweite

Bevor wir uns der Frage näherten, was Instagram nun für Blogger tatsächlich bringt, erläuterte Gerhard noch die Instagram-typischen Features: insbesondere Hashtags spielen auf der Plattform eine große Rolle. Sie bestimmen maßgeblich darüber, welche Reichweite ein Post erhält. Trifft man den richtigen Hashtag kann das die Reichweite eines Beitrags erheblich steigern, bleibt man zu generalistisch (#München z.B.) geht man in der Masse unter. Da sich der Isarblog auch auf Instagram als „local hero“ sieht, verzichtet Gerhard darauf, viel Zeit mit der Recherche von Hashtags zu verbringen – Stimmen aus dem Publikum ließen aber vermuten, dass es durchaus lohnenswert ist hier Zeit zu investieren. Wer bestimmte Spots promoten oder recherchieren will, ist mit dem Location Feature von Instagram gut bedient, per Klick auf den Ort lassen sich alle Posts mit der gleichen Location anzeigen.

Beliebte Hashtags rufen allerdings Bots auf den Plan und so kam Gerhard auch auf die negativen Seiten der Plattform zu sprechen: automatisierter Kommentar- und Follower-Spam. Während diese Phänomene noch zu verkraften sind, spielt bei der Monetarisierung der Follower-Kauf nach wie vor eine Rolle. Seriöse Instagramer, die viel Zeit in den organischen Aufbau ihrer Follower investieren, müssen sich bei der rein quantitativen Betrachtung unbedeutenden Accounts mit vermeintlich riesigen Reichweiten geschlagen geben. Gerhard empfahl hier Analyse-Tools zu nutzen und einfache Berechnungen anzustellen, etwa zu betrachten, wie das Verhältnis von Followern zu Likes ist: wenn hohe Followerzahlen nur geringe Anzahl an Likes erzeugen, ist oft etwas faul; ebenso wenn rein deutschsprachige, lokale Instagramer Tausende Follower mit eindeutig ausländischem Bezug haben.

Hoher indirekter Nutzen von Instagram für Blogger

Was aber bringt nun Instagram für Blogger wirklich, außer eine bildstarke Ergänzung auf einer zusätzlichen, nicht integrierten Plattform. Gerhard hob sechs Punkte hervor, die es für den Isarblog lohnen, auf Instagram präsent zu sein:

  1. Die Präsenz auf einer der wichtigsten Social-Media-Plattform ist für die Marke des Blogs unerlässlich;
  2. die hohe Authentizität eines Blogs und seiner Autoren kann durch Blicke „hinter die Kulissen“ ergänzt werden;
  3. Instagram ist mittlerweile für viele auch ein Network und eine Dialogplattform, daher kommt es oft zur Interaktion mit Lesern des Blogs;
  4. Instagram Posts können als Ankündigung und Teaser für Blogbeiträge dienen.
  5. Für die Isarblogger selbst ist Instagram wichtig, um bei ihren Followern das Themeninteresse zu erkennen; Gerhard zeigte das tolle Bild eines Polospiels, das aber eine so geringe Zahl an Likes erhielt, dass er das Thema „Polo“ für den Blog zukünftig ausschließt.
  6. Gleichzeitig ist es für einen lokalen Blog, der sich mit Kunst, Kultur und Kulinarik beschäftigt, wichtig Trends zu erkennen um vorne mit dabei zu sein, auch dafür ist Instagram ein guter Indikator.

Achtung Werbung: Für Bloggerclub und Bier

Da der Isarblog mit vielfältigen Kooperationspartnern arbeitet, stellte sich umgehend wieder die Frage nach der Kennzeichnung von Instagram Posts als Werbung. Auch diese kurze Diskussion zeigte erneut, wie hoch die Verunsicherung durch die letzten Gerichtsurteile bei den Laien in diesem Punkt ist, bis hin zur Frage, ob denn das eigene Geschäft beworben werden dürfe, ohne Werbung dazuzuschreiben. Gerhard zeigte an Beispielen die Werbekennzeichnungen des Isarblogs und empfahl dringend, lieber einmal zu viel, als zu wenig zu kennzeichnen, auch wenn das für Leser zusätzliche Verunsicherung bedeute. Er verwies ebenfalls auf das Engagement und den Kodex des Bloggerclub für einen transparenten Umgang mit Werbung und Kooperationen für Leser und Partner.

Bedingt durch diese und andere Fragen und Diskussionen endete die Veranstaltung erst um Viertel nach Neun. Teilnehmer und Referent des Abends zogen anschließend noch auf den traditionellen Absacker in den Tegernseer im Tal (Hinweis unbezahlt, keine Werbung, Speisen und Getränke wurden von allen selbst bezahlt). Dort wurde der Erfahrungsaustausch informell fortgeführt, so dass andere Blogger ihre Perspektiven einbringen und erweitern konnten. Ein rundum informativer Abend also, herzlichen Dank nochmal an unser Mitglied Gerhard Bauer für den inhaltsreichen Vortrag und die Einblicke in den Isarblog.

Gerhard Bauer: „Instagram für Blogger – was bringt das, und wie?“ – Veranstaltung für den Bloggerclub e.V.
Isarblog | Instagram

=> Regelmäßig organisiert der Bloggerclub e.V. Veranstaltungen für Blogger von Fachleuten. Möchtest du informiert bleiben und mitgestalten, dann werde Mitglied bei uns und profitiere vom Netzwerk – unser Motto: gemeinsam sind wir stark!

Fotonachweise
Titel: Pixabay, Creative Commons
Andere: Markus Pflugbeil, Tanja Praske

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.