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Bloggerclub: Was die Krise mit Bloggenden gemacht hat – Verluste und Chancen

Seit zwei Monaten findet das Leben fast nur noch online statt. Doch wie sieht es mit uns Bloggern aus? Beschert uns die Krise mehr Leser oder eher weniger? Und wie wirkt sich die Krise auf Kooperationen und Einnahmen durch Blogs aus?

Wir haben uns im Bloggerclub-Vorstand umgehört, wie es in den unterschiedlichen Bloggernischen aktuell aussieht.

Die Abfrage starteten wir im Vorfeld unseres bevorstehenden, kostenfreien ZOOM-Webseminars am 19. Mai (19:00 – 20:00) zum Thema: Up to date für die Google Suchmaschine mit Andreas Kreuziger. Melde Dich an, du erhältst von uns den Zoom-Link.

Meike Leopold: „Das Interesse bleibt auch in der Krise bestehen“

Ich habe die Redaktionsplanung für das Start Talking Blog zu Jahresbeginn noch stärker auf das Thema Corporate Blog ausgerichtet und veröffentliche zwei Beiträge pro Monat. Das hat mir bis heute rund fünf Prozent mehr Besucher gebracht. Als Corona kam, habe ich zunächst darüber nachgedacht, die Taktung zu verändern oder mich thematisch mehr anzupassen. Aber bei dem Kernthema zu bleiben und den Plan weiter zu verfolgen, hat sich ausgezahlt. Das Interesse daran, wie ein Corporate Blog aufgebaut und gemanagt wird, bleibt offenbar auch in der Krise bestehen. Das bestätigt mich darin, diesen Kurs beizubehalten. Wichtig ist dabei natürlich wie immer, auch die sozialen Netzwerke zu bespielen und hier für möglichst viel Dialog zu sorgen. Denn auf Twitter, LinkedIn und Co. war in den vergangenen Monaten noch mehr los als sonst.

Tanja Praske: Über Kultur bloggen – nur nicht verrückt machen lassen!

Kultur - Museum -Talk, das Blog von Dr. Tanja Praske
Kultur – Museum -Talk, das Blog von Dr. Tanja Praske

Corona führte bei mir auf Tanja Praske zu einem heftigen Einbruch der Leserzahlen. Meine Evergreen-Artikel fielen weg, während ich kaum noch bloggte. Es suchte keiner mehr nach Kinder Museen München oder Ausstellungen in München, weil keiner diese Orte mehr aufsuchen konnte. Ich blieb ruhig, denn etwas anderes, das mir wichtiger war, änderte sich auch: Die Verweildauer sowie die Seitenzahlzugriffe erhöhten sich, letztere um mehr als drei Seiten pro Besucher. Spannend und erfreulich: mein Spielgeist ist wiedererwacht.

Was für Artikel standen nun im Fokus? Alles rund um digitale Kulturvermittlung und Kommunikation sowie Digitalisierung. Tatsächlich spreche ich damit meine Hauptzielgruppe an, die Kulturschaffenden und Kulturhäuser. Ich führte eine neue Kategorie ein, die an vorherige Artikel anknüpfte: Gedankenspiele (= Tagebuchbloggen). Diese haben bei mir immer etwas mit digitalen Anregungen zu tun, die Leserzahlen stiegen wieder nennenswert. Das lag daran, weil ich mich mit Bloggernetzwerken darüber verband; lockeres Schreiben, das guttat und mich befreite. Fingerübungen und Inspiration, die gerne von meiner Stammleserschaft sowie den Tagebuchblogger-Netzwerken angenommen wurde.

Meine Projekte hingegen wurden in Corona-Zeiten mehr. Die Anfragen rührten von meinem Blog und meiner Social-Media-Präsenz her. Hilfestellungen im digitalen Auftritt sind gefragter denn je. Ich brachte vorzeitig ein Museumsblog mit auf den Weg. Zudem probierte ich für ein laufendes Projekt einiges Digitale erfolgreich aus. Viel Lernstoff, vor allem aber: viel Stoff zum Verbloggen.

Meine Learnings aus Corona:

  • sich bloß nicht verrückt machen durch Lesereinbrüche, schon analysieren, aber ins Gesamtbild einordnen, d.h. Abgleich mit den eigenen Zielsetzungen,
  • versuchen wieder mehr zu bloggen, denn regelmäßiges Schreiben ist mir persönlich wichtig; by the way: Google heißt das auch gut,
  • wenn ich Artikel zu bestimmten Themen mit bestimmten Keywords herausbringe, sollte ich diese mit weiteren Beiträgen für die darüber erreichte Zielgruppe begleiten, so dass diese Leserschaft gerne zurückkommt, bei mir liest und sich vielleicht ein Austausch mit ihnen entspinnt,
  • definitiv für die Leser bloggen und nicht für Google,
  • Netzwerke pflegen, sich inspirieren lassen und andere inspirieren,
  • Blogger stützen durch Teilen und Kommentieren,
  • sowie digitale Erkenntnisse, erworben durch Corona verbloggen, tatsächlich mein Lohn und Brot als digitale Kulturvermittlerin.

Matthias Schwindt: Ist das Fahrrad der große Gewinner der Corona Krise?

Auf meinem Fahrrad Blog Gpsradler zum Spezialgebiet GPS-Navigation und elektronische Gadgets fürs Fahrrad sind die Zugriffszahlen seit Ende März deutlich gestiegen. Wobei das sicher nicht nur an der aktuellen Situation liegt. Vielmehr ist Fahrrad ein stark saisonales Thema, welches jedes Jahr ab April deutlich Fahrt aufnimmt. Im Gleichschritt mit den steigenden Besucherzahlen steigt auch der Werbe- und Affiliate Umsatz.

Also alles gut beim GPS Radler?

Nein. Print Redaktionen sparen aktuell massiv und buchen weniger externe Redakteure. Insofern brechen hier lukrative Print-Aufträge weg.

Franz Neumeier: Bloggen über Kreuzfahrten, wenn alles stillsteht?

Franz Neumeier
Franz Neumeier

Mit meinem auf Kreuzfahrt-Themen spezialisierten Blog Cruisetricks.de trifft mich die Krise auf den ersten Blick hart. Die Kreuzfahrt steht seit Mitte März 2020 komplett still und wird auch in einigen Monaten noch nicht wieder richtig in Gang kommen. Doch zumindest bislang sind die Auswirkungen nicht komplett negativ. Anzeigen-Umsätze gehen stark zurück, dafür nehmen „Spenden“ und regelmäßige Zahlungen von Lesern über Steady-Abos nennenswert zu – was die Anzeigenverluste aber nicht ausgleichen kann.

Zugleich ist der Traffic von Cruisetricks.de so hoch wie nie zuvor – Anfang Mai fast doppelt so hoch wie zuvor, im März sogar mehr als viermal so hoch wie gewöhnlich. Woran liegt das? Ich konzentriere mich darauf, meine Leser topaktuell journalistisch und gut recherchiert zu informieren und meine Beiträge beispielsweise zum Absagestand der Kreuzfahrten und zu juristischen Fragen bei Reisepreis-Erstattung und Ähnlichem ständig zu aktualisieren. Dabei lege ich Wert darauf, Fakten zu liefern, auf Spekulationen zu verzichten und keinerlei Click-Baiting mit News-Schlagzeilen zu betreiben. Das ist eine gute Gelegenheit, sehr deutlich meinen Überzeugungen zu folgen, ausschließlich Fakten zu präsentieren, nicht zu spekulieren, keinen Hypes hinterherzulaufen, News zu selektieren und zu bewerten und damit mein Marken-Profil als faire, seriöse, unaufgeregte, verlässliche Informationsquelle zu Kreuzfahrt-Themen weiter zu stärken. Das führt auch zu vermehrten Interview-Anfragen von Print-Medien, Hörfunk und Fernsehen.

Was mich hart trifft, ist, dass ich auf absehbare Zeit nicht reisen kann. Das dennoch Positive dabei: Ich kann die Zeit zuhause dazu nutzen, teils jahrelang aufgeschobene Projekte und Ideen endlich anzugehen und umzusetzen. Beispielsweise das datenschutzrechtlich problematische Google Analytics durch selbst gehostetes Matomo (früher Piwik) zu ersetzen, aber auch viele neue Inhalte zu schreiben und andere Ideen voranzubringen.

Als Randnotiz: Einen wahren Boom erlebt das Food-Blog Cook & Taste, das ich zusammen mit Carmen eigentlich als reines Hobbyprojekt schreibe. Die Zugriffszahlen explodieren regelrecht. Das macht viel Spaß, auch wenn dadurch erst einmal kein Umsatz entsteht.

Sylvia Kasdorff: Rezepte für Brot stark nachgefragt

Im Blog Brotwein dreht sich alles um Kulinarik. Mit Beginn der Ausgangssperre haben sich meine Zugriffe drastisch erhöht. Die Nutzerzahlen haben sich gut verdoppelt. Das hat einerseits typische saisonale Gründe wie die Feiertage zu Ostern und dem 1. Mai, sowie der sehr beliebten Rhabarber- und Spargelrezepte. Wenn man diesen Effekt jedoch herausrechnet, dann sind 30 Brotrezepte unter den Top 50 der am meisten aufgerufenen Rezepten. Diese haben um 30 Prozent bis 400Prozent mehr Aufrufe. Auffällig sind die anteilig vielen Sauerteigrezepte. Das entspricht auch der allgemeinen Wahrnehmung, dass die Leute sich mehr Zeit nehmen und angefangen haben Brot selbst zu backen. Ob der Backtrend weiter anhält, wird sich zeigen.

Stephan Goldmann: „Die Marke geht gestärkt aus der Krise“

Die Coronakrise spürt MyHighlands.de deutlich – wie vermutlich jede touristische Webseite. Zunächst gab es einen starken Rückgang des Suchtraffics auf Service-Themen. Auf Social Media stieg das Interesse nach einer Weile bei den Schottlandfans. Auch die das Neuposten von älteren Beiträgen wurde gut aufgenommen unter dem Hashtag #reisenimkopf. Und so langsam erhöht sich auch der Suchtraffic.

Viel schlimmer aber war das Wegbrechen der Erlöse. Konnte ich im Januar, Februar und März neue Rekorde beim Buchverkauf verzeichnen, brachen diese innerhalb von zwei Tagen komplett ein. Immerhin erholt sich das auch ein wenig. Aber es wurden auch Affiliate-Programme gestoppt und Adsense kann kaum passende hochpreisige Werbung ausliefern. Das ist bisher auch so geblieben.

Das entmutigt mich allerdings nicht, schließlich schreibe ich auf MyHighlands.de ja auch aus Liebe zum Land – das wiederum spüren meine Leser. Die Marke geht somit gestärkt aus der Krise.

Wie sind deine Erfahrungen? Was hat sich für dich geändert durch Corona bzw. was möchtest du zukünftig ändern? Schreibe uns im Kommentar deine Meinung für alle als Impuls.

Interesse am SEO-Webseminar?

Bedingungen und Teilnahme am SEO-Webseminar am 19. Mai 2020, ab 19:00 geht nur nach vorheriger Anmeldung – die Infos dazu findest du in der Ankündigung. Bis zu 100 Teilnehmer können sich anmelden. Wir schicken dir den Zoom-Link zu.


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3 thoughts on “Bloggerclub: Was die Krise mit Bloggenden gemacht hat – Verluste und Chancen

  1. Mein Blog bewegt sich im Themenspektrum Kultur & Digitales. Themen zu Kultur und Kulturreisen waren für viele Wochen gar nicht angesagt, es sei denn, man konnte sie mit dem Thema Corona kombinieren. Auch fehlte mir aufgrund der Reisebeschränkungen die Möglichkeit, neue Materialien und Erfahrungen zu sammeln und im Blog zu verarbeiten. Digitale Themen waren dagegen hoch im Kurs. Kein Wunder.

    Ich befürchte, dass wir die Langzeitfolgen für viele Bereiche noch gar nicht überblicken können. Es ist nicht auszuschließen, dass es da zu gewaltigen Verschiebungen kommt.

  2. Meine beiden Blogs sind ein Freizeit-Regionalblog und mein persönlicher Blog rund ums mobile Reisen. Die eingeschränkten Bewegungsmöglichkeiten haben bei mir zunächst zu einem Verlust der Besucherzahlen um etwa ein Drittel, dann zu einer Konsolidierung und mittlerweile zu einer leichten Zunahme der Besucherzahlen geführt. Gebloggt habe ich wenig in den letzten drei Monaten. DIe Ursachen für disen Velrauf lassen sich relativ leicht benennen: die vorgestellten Reiseziele befinden sich vornehmlich in Süddeutschland und bilden somit auch Ausflugsziele für „Corona-Daheimgebliebene“ und der Schwerpunkt Reisemobile hat wie die gesamte Branche eher einen zusätzlichen Hype erlebt.

  3. Interessantes Artefakt! Tolle Daten über die Auswirkungen der COVID-Krise auf Blogger. Ich freue mich darauf, mehr von Ihren Artikeln zu lesen.

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